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Wie du leichter mit deinen Ängsten umgehen kannst

 

Im heutigen Beitrag sprechen wir über Ängste. Wir alle haben sie und manchmal werden sie einfach so groß, dass wir nicht wissen wie wir damit umgehen sollen.

 

Ich erzähle dir von meinen eigenen Erfahrungen und gebe dir eine Notfall Übung mit, die dir schnell Ruhe, Sicherheit und Stabilität gibt.

 

Wie immer zum Lesen und Hören!

„Alles was du willst, ist auf der anderen Seite der Angst“

 

Dieses wundervolle Zitat habe ich vor kurzem im „Buch deines Lebens“ von Jule Pieper gelesen und es hat einen Punkt getroffen.

 

Denn, auch wenn man es nicht glauben würde, Angst war schon immer ein großes Thema in meinem Leben. „Du – das gibt´s doch nicht! Du wirkst doch immer so mutig und souverän“ höre ich oft, wenn ich das erzähle. Und dann antworte ich immer mit dem schlauen Spruch:

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet es trotzdem zu tun.

Urvertrauen & Angst

Aber zurück zu den Anfängen. Es gibt Kinder, die werden unglaublich mutig geboren. Die trauen sich alles. Sie brauchen die Mama nicht, klettern auf die höchsten Bäume und gehen auf andere Menschen offen zu. Diese Kinder sind nicht nur mit Mut sondern auch mit einer Riesenportion Urvertrauen auf die Welt gekommen.

 

Nun, so ein Kind war ich eindeutig nicht. Ich glaube, ich bin mit Minus-Urvertrauen auf die Welt gekommen, wenn es so etwas überhaupt gibt… Vor Fremden habe ich mich grundsätzlich gefürchtet und auch bei Bekannten habe ich mich lieber hinter Mama versteckt. Laut ihren Aussagen, konnte sie mich die ersten Jahre gar nicht von ihrem Rockzipfel loskriegen. Es ging so weit, dass ich bei Kindergeburtstagen in der Runde der Erwachsenen meine Torte aß, weil mir die Kinder zu laut, zu wild und zu viel waren. Heute würde man vielleicht sagen, ich war ein hochsensibles Kind – damals war ich einfach nur eine "Zezn", was ein österreichisches Wort für "Mimose" ist.  Zuflucht fand ich im Lesen, was mir meine Schwester schon mit 5 beigebracht hat, beim Malen und in meinen Gedanken, wo ich die wundervollsten Geschichten erfunden habe und immer die Heldin war. Das tue ich übrigens heute noch…

 

Warst du ein Kind mit viel oder wenig Urvertrauen?

 

Urvertrauen stärken

Das Gute am Urvertrauen ist, man kann es auch später noch bekommen. Als Kind brauchst du nur eine Person, die an dich glaubt, dir Sicherheit und Halt gibt. Das müssen nicht unbedingt die Eltern sein. Das kann naher Verwandter, eine Freundin der Familie oder auch eine Lehrerin sein. In meinem Fall war es meine Schwester und später in der Schule die Lehrer. Da ich ja zu viel Angst vor anderen Kindern hatte, habe ich viel gelesen und dadurch einen großen Vorteil in der Schule. Man sieht also, jeder Charakterzug hat durchaus etwas Gutes. Schnell wurde ich dazu bestimmt den anderen Kindern, die nicht so gut gelernt hatten zu helfen – und mein Selbstvertrauen stieg ins Unermessliche. Nun musste ich mich nicht mehr fürchten, sondern konnte helfen – der Grundstein für meine spätere Trainer Karriere.

 

Über die nächsten Jahre trat die Angst immer mehr in den Hintergrund, war aber nie ganz weg. Ich habe mir immer Sorgen gemacht, etwas falsch zu machen, dass dann etwas ganz Schlimmes passieren würde und mir die größten Katastrophen ausgemalt. Dies ist nämlich die dunkle Seite eines kreativen Geistes. Falls du auch zu den Menschen mit einer schier unendlichen Fantasie gehörst, kennst du das sicher.

 

Unsere Tendenz zum Negativ-Denken

Wir Menschen haben ja generell eine Tendenz zum Negativ-Denken. Das hat in unserer Entwicklung in der Steinzeit auch sehr viel Sinn gemacht. Denn derjenige, der den Säbelzahntiger erwartet und auch rechtzeitig gesehen hat, wurde vermutlich älter als jener Jäger, der sich an den schönen Blümchen erfreut hat. Nun waren die Gefahren früher nicht ganz so viele: Säbelzahntiger und verfeindete Stämme. Vielleicht auch noch giftige Beeren wenn man nicht aufgepasst hat. Das konnte unser Nervensystem noch sehr gut verarbeiten.

 

Heute sind die tatsächlichen Gefahren für Leib und Leben zwar nicht viel mehr geworden, aber die gefühlten. Denn wir sind den ganzen Tag mit Negativschlagzeilen konfrontiert: Kriege, Unfälle, Mord und Totschlag.

Und das hält unser Gehirn dann für wahr und ist in Daueralarmbereitschaft.

mit Panikattacken umgehen lernen

Diese Daueralarmbereitschaft in meinem Nervensystem hat mir sehr lange sehr viel Energie gekostet. Das ständige Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle. Die ständige Aufmerksamkeit alle Gefahren zu vermeiden haben lange Zeit mein Leben bestimmt.

 

Begonnen hatte es damit, dass innerhalb eines recht kurzen Zeitraumes erst meine Großmutter mit Mitte 60 unerwartet an einem Herzinfarkt und dann mein Vater mit 50 an einer Gehirnblutung gestorben war. Beides war nicht vorherzusehen, beides war nicht zu verhindern. Und trotzdem hat mein Geist beschlossen, alle Alarmsysteme noch weiter hochzufahren um auch die kleinste Gefahr rechtzeitig zu erkennen. Die Folge: viele Arztbesuche wegen ganz normaler körperlicher Vorgänge und Panikattacken mit Anfang 20.

 

Falls du jemals eine Panikattacke hattest, weißt du, das ist nichts was man unbedingt braucht. Im ersten Moment weißt du nicht ob du wegrennen sollst oder dich verstecken. Du bist gleichzeitig wie gelähmt und dein Geist rast. Du glaubst dein Herz explodiert und du bekommst keine Luft. Ich musste lernen, zu erkennen, dass eine Panikattacke mich nicht umbringt. Eine Therapeutin meinte damals auf mein „Ich habe Angst nicht atmen zu können“ nur: „Atmen geht doch von ganz alleine. Das kannst du nicht einmal einstellen, wenn du es möchtest.“ Und damit hatte sie recht. Von ihr habe ich auch gelernt, dass Angst nur ein Gefühl ist und uns Gefühle nichts tun können. Sie sind im besten Fall gute Freunde und im schlimmsten Fall Quälgeister, die aber immer wieder verschwinden, wenn wir ihnen keine Aufmerksamkeit schenken.

 

Die gute Nachricht: man kann lernen mit Angst und Sorgen umzugehen und sie gehen auch weg. Die schlechte Nachricht: wenn man eine Tendenz zu Angst und Sorge hat, meldet es sich hin und wieder. Aber wir können lernen  sie anzunehmen. Mir hat Yoga und Meditation sehr geholfen diese Seite meiner Persönlichkeit zu akzeptieren.

 

Denn meine Fähigkeit mich in Panik zu denken bedeutet auch die Fähigkeit wundervolle Geschichten entstehen zu lassen. Mein vorsichtiger Charakter lässt mich nicht unbedacht in schwierige Situationen laufen. Und mein Bedürfnis nach Kontrolle lässt mich viele Handlungsmöglichkeiten erkennen, die ich sonst vielleicht gar nicht gesehen hätte. Angst per se ist also nichts Schlechtes. Die Frage ist nur: lassen wir sie überhand nehmen oder bleibt sie in gesunden Grenzen.

 

Unser Geist ist wie der Himmel...

Vor kurzem habe ich in einem Meditationsbuch ein sehr schönes Gleichnis gelesen:

 

Unser Geist ist wie der Himmel: weit und unendlich.

Unsere Gedanken und Gefühle sind wie das Wetter, das durchzieht:

Wolken, Stürme, Unwetter aber auch Sonnenschein.

 

So wie der Himmel bleibt der Geist von den Wolken der Angst unberührt, wenn wir es nicht zum Zentrum des Lebens machen und uns einschränken lassen. Der Trick ist, sich von den Gefühlen ein wenig zu distanzieren. Einen Schritt zurück machen und sie beobachten. In der Meditation nennen wir das: „Benennen“. Also zum Beispiel: „ah, da ist wieder die Angst. Ah, bewerten. Ah, planen“. Dadurch bekommen wir Abstand und lassen uns nicht in das Gefühl hineinziehen. Wenn du dich einmal für 5 Minuten hinsetzt und nur deine Gefühle und Gedanken beobachtest wirst du sehen, wie schnell sie wechseln. Wie viele davon durchziehen. Und wie verlockend es ist, sich an einen dranzuhängen und sich so richtig hineinzusteigern.

 

die Trigger

Ich würde gerne sagen, dass ich Angst und Panik komplett hinter mir gelassen habe und immer in meiner Mitte ruhe. Aber leider bin ich auch nur ein Mensch und manchmal passieren Situationen, die alte Verhaltensweisen triggern. Vielleicht kennst du das. Plötzlich verhalten wir uns wieder wie ein kleines ängstliches Kind, das sich gerne hinter der Mama verstecken möchte. Oder das sich einfach nur jemanden wünscht, der es in den Arm nimmt und sagt: „Alles ist gut, ich bin für dich da.“

 

Manchmal schlagen wir in solchen Situationen auch verbal um uns, um die Angst zu vertreiben. Geben Menschen Schuld an etwas für das sie gar nichts können und verlieren uns in unserer Egozentrik. Das kann passieren, denn wir sind Menschen. Wichtig ist es, nachher, wenn der Sturm vorbeigezogen ist, zu reflektieren. Warum habe ich so gehandelt? Was hat das ausgelöst? Wen habe ich gerade ungerecht behandelt? Und dies dann zugeben und sich entschuldigen und erklären, was hier passiert ist.

Je öfter wir dies tun, desto seltener werden wir in unser Kindheits-Ich verfallen, wenn uns etwas Angst macht. Wir werden im Hier und Jetzt bleiben und neue Strategien anwenden um mit der Situation zurecht zu kommen. Und sollte sich jemand anderer dir gegenüber gerade wie ein kleines Kind verhalten und dich ungerecht behandeln, dann lasse Milde und Mitgefühl walten – denn der Sturm wird auch hier vorüber ziehen.

Übung: Erste Hilfe bei Ängsten

Gerade im Moment habe ich das Gefühl, dass wir alle ein wenig dünnhäutiger geworden sind. Kritik trifft uns schneller. Wir ärgern uns leichter. Fühlen uns schnell eingeschränkt und angegriffen. Je mehr dieser Gefühle und Energien im Außen sind, desto besser müssen im Innen auf uns acht geben.

 

Es hilft, sich zu erden. Dafür habe ich eine gute Übung für dich, die du jederzeit machen kannst:

 

Setz dich aufrecht hin, auf einen Sessel oder ein Kissen. Schließe die Augen und atme ein paar Mal ganz tief durch.

 

Stelle dir vor, wie du beim Ausatmen alle negativen Gefühle loslässt und beim Einatmen Sicherheit und Geborgenheit wahrnimmst. Wiederhole das ein paar Mal. Lass allen Ärger, alle Sorgen mit der Ausatmung los – du kannst dir dabei vorstellen, du atmest grauen Rauch aus. Dann atme Sicherheit, Liebe, Stabilität ein – vielleicht in Form von weißem Licht.

 

Spüre ganz bewusst den Boden unter dir. Entweder bei den Fußsohlen oder dem Gesäß.

 

Nimm dieses Gefühl des Gehalten- und Getragenwerdens ganz bewusst war. Spüre deine Verbindung mit der Erde. Und vielleicht kannst du dir vorstellen, dass du mit der Ausatmung Wurzeln in den Boden wachsen lassen kannst. Diese Wurzeln, die dich immer gut und sicher verankern und erden. So dass egal was im Außen passiert, dich nichts umwerfen kann.

 

Sag dir: ich bin in Sicherheit. Alles ist gut. Ich bin gut genauso wie ich bin. Ich bin genug.

 

Versuche ein paar Atemzüge bei diesem Gefühl zu bleiben, dass du gut im Leben verankert bist, dass du in dir ruhen kannst, egal was im Außen passiert und dass du immer liebenswert und genug bist.

 

Komm dann langsam mit deiner Aufmerksamkeit wieder in den Raum zurück und lass die Ruhe und Stärke noch in dir nachwirken.

 

 

Ich hoffe, diese Übung hilft dir in schwierigen Situationen und falls du Unterstützung brauchst, weil das Leben gerade ein wenig viel ist, bin ich gerne an deiner Seite. Hier findest du nähere Informationen zu meinem Beratungsangebot.

 

 

Alles Liebe & bis zum nächsten Mal!

Angelika


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