· 

Wie du dein Leben leichter machst: Mikromomente der Freude

Wenn meine Kund*innen mit den Themen Stress und Überforderungen zu mir kommen, stelle ich ihnen zwei Fragen, die gar nicht so einfach zu beantworten sind.

 

Welche das sind und was sie mit dem Abtauen meines Gefrierfaches zu tun haben, erfährst du in diesem Beitrag.

 

Wir sprechen unter anderem über die Mikro-Momente der Freude, was sie sind, warum sie dich gesund halten und wie du viele davon bekommst.

Wie immer zum Lesen & Hören!

 


Zwei (gar nicht so) einfache Fragen...

Wenn es bei meinen Klient*innen um die Themen Stress und Überforderung geht, stelle ich immer zwei Fragen:

  1. Was tust du für dich? 
  2. Was macht dir Freude?

Sehr häufig sehe ich dann ratlose Gesichter. Im Alltag vieler Menschen gehen diese Themen unter. Sie haben keine Priorität und wandern in der Reihenfolge ganz nach hinten, nach Kindern, Job, Haushalt, Eltern, Ehe, Haustiere, Pflanzen, sonstige Verpflichtungen,… 

leichtere Frage: "Was hast du früher gern gemacht?"

Mich macht es immer ein wenig traurig, wenn mir Kundinnen mit großen Augen sagen „Ich weiß wirklich nicht was mir Freude macht!“ Dann sitzen wir einmal still da und lassen das wirken.

 

Meist hilft dann die Frage: „Was hast du denn früher gerne gemacht?“ Und da kommt einiges: von kreativen Tätigkeiten wie zeichnen, stricken, nähen über gesellschaftliche Unternehmungen wie Mädelsabende, Konzerte und Kabarett bis hin zu Bewegung: tanzen, Yoga, laufen,…

 

 

Ich sehe dann, wie die Erinnerung ein Lächeln auf die Gesichter holt, das jedoch gleich wieder verblasst bei den Worten „Aber dafür habe ich jetzt keine Zeit mehr.“  Ich kann verstehen, dass es schwer ist, sich einen Abend frei zunehmen um ins Konzert zu gehen, dass man vielleicht kein ganzes Wochenende damit verbringen kann eine anstrengende Bergtour zu unternehmen und dass sich die wöchentliche Yogastunde nicht mit dem Familienterminplan in Einklang bringen lässt.

die Mikro-Momente der Freude

Aber braucht es wirklich immer die großen Aktivitäten um Freude zu haben? Was wären kleine Momente, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen? Somit ist die Hausaufgabe an meine Klient*innen immer, sich zu beobachten, wann und wobei sie einen kleinen Mikromoment Freude empfinden. Das kann der Geruch von frischem Kaffee am Morgen sein, ein nettes Kompliment des Nachbarn, die Straßenbahn die gerade einfährt, wenn du zur Station kommst…

Wenn wir wirklich darauf achten, gibt es eine ganze Menge dieser Mikromomente, die wir jedoch meist unbemerkt vorbeiziehen lassen. 

Meine Glücksmomente

Da ich ja nach dem Motto lebe: „Practice what you preach“, habe ich diese Aufgabe auch für mich übernommen und dabei neben den bewussten und üblichen Momenten eine überraschende Entdeckung gemacht.

 

Zu den bewussten Momenten zählen bei mir z.B.: die ersten Knospen auf den Sträuchern zu sehen, der Gesang der Vogel in der Früh, der strahlendblaue Himmel, ein Anruf einer Freundin, ein netter Kommentar zu meinen Posts…

 

Weniger bewusst war mir, wie viel Freude es mir macht, meine Nichte lachen zu hören, Mittags ein selbst gekochtes Essen am Balkon zu genießen, einmal 5 Minuten völlige Stille zu erleben.

 

Und dann kam die große Überraschung: was mir nicht nur große Befriedigung, sondern auch langfristig Freude bereitet ist…. Ordnung schaffen. Da war ich selbst überrascht, denn ich komme aus einer eher chaotischen Familie.

 

 

Entdeckt habe ich diese Freude am Wochenende durch eine Kleinigkeit: das Abtauen meines Gefrierfaches. Wirklich keine große Sache – das machst du vermutlich regelmäßig. Aber ich habe es immer wieder vor mir hergeschoben. Jedes Mal wenn ich etwas im Gefrierfach verstauen wollte, habe ich mich geärgert, weil so wenig Platz war. Und jedes Mal habe ich mir gedacht: "Das sollte ich jetzt wirklich Mal machen". Dann dachte ich: "Das mache ich im Winter, wenn es kalt ist und ich die Lebensmittel über Nacht am Balkon lassen kann". Dann war der Winter vorbei und ich dachte, "Na gut, dann nächstes Jahr – geht ja noch…" Bis fast nichts mehr hineingepasst hat und ich es in Angriff genommen habe. Was soll ich sagen: es war keine große Sache (bis auf den riesigen Eisblock, den ich entfernt habe). Jetzt habe ich wieder Platz und alles ist geordnet.

Ich ertappe mich nun dabei, dass ich jeden Tag das Eisfach öffne und mich freue. Ich habe auch gleich den Kühlschrank ausgemistet und geordnet und neue Vorratsdosen für Nudeln und Mehl gekauft für den Schrank. Und ja – auch hier schaue ich jetzt täglich rein und freue mich.

 

Dadurch habe ich entdeckt, dass mich Ordnung beruhigt und mir ein richtig gutes Gefühl gibt. Ich habe auch meine Content Wand an der ich Ideen mit Post-Its aufklebe geordnet (farblich und nach Größen) und schaue jetzt richtig gern drauf. Ich habe auch eine Tagesdecke für mein Bett, weil es damit so schön aussieht und ich abends immer das Gefühl habe, ich komme in ein schickes Hotel.

Selbstwirksamkeit & Handlungsfähigkeit

Der Grund für dieses Ordnungsbedürfnis liegt unter anderem darin, dass es mir ein Gefühl der Kontrolle gibt. Egal, wie chaotisch es draußen in der Welt zu geht, ob Krankheit oder Krieg, in meiner Wohnung habe ich es in der Hand. Es gibt mir das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit.

 

Nachdem mir das jetzt bewusst ist, nehme ich mir jede Woche einen neuen Bereich vor, den ich ordne – weil ich weiß, dass es, auch wenn es im Moment des Tuns mühsam ist, mir langfristig Freude macht. Das heißt jetzt nicht, dass ich die Ordnungs- und Putzfee des Jahres werde, aber es hat mir gezeigt, welche kleinen Dinge des Alltags mir offensichtlich auch Energie gekostet haben und wie leicht es ist langfristig freudige Momente ins Leben zu integrieren. Denn sind wir uns ehrlich, ein Stück Cheesecake (mein Favorit) bringt auch glückliche Momente – aber leider nicht langfristig….

Back to the roots: die Familie

Ich habe dann überlegt, warum es für mich so ein „Aha-Erlebnis“ war, dass ich Ordnung liebe und bin darauf gekommen, dass es mit meiner Familiengeschichte zusammenhängt. Ordnung war nie das zentrale Thema. Die Familie hat sich immer eher darüber definiert hart zu arbeiten, Dinge zu schaffen (von Fliesen legen bis Gartenhütten bauen), handwerklich und kreativ tätig zu sein. Ordnung, kochen und Haushaltstätigkeiten waren für die, die halt sonst nichts zu tun hatten. Es war nie schmutzig aber immer ein bisschen chaotisch. Dazu kam noch das große Bedürfnis alles aufzuheben und zu sammeln („da kann man ja noch was draus machen“) und sehr ungern etwas wegzuschmeißen. Der Vorteil: egal was ich brauche, meine Mutter hat es: z.B. eine Kühltasche zum Gefrierfach abtauen (da bekam ich gleich 3 unterschiedliche Größen), einen Papiershredder oder einen selbst geschnitzten Weihnachtsmann in meiner Größe (kein Witz).

Warum es so schwer ist, alte Muster loszulassen

Wenn wir auf die Welt kommen, ist unser Gehirn wie eine leere Festplatte: mit viel Platz um Verhalten, Einstellungen und Gewohnheiten abzuspeichern. Dies geschieht durch das Beobachten unserer Umgebung, also meist der Familie. Es formt sich unsere Identität. Da wir als Kind sehr schutzbedürftig sind, ist es für unser Überleben wichtig, Teil einer Gruppe zu sein. Um dazuzugehören, verhalten wir uns wie sie. Erst später, wenn wir auf eigenen Beinen stehen können, beginnen wir häufig alte Verhaltensweisen und Denkmuster zu hinterfragen und eventuell zu verändern. Dies ist oft gar nicht so einfach, da sie tief in uns verankert sind.

 

Wie eben in meinem Fall. Zu erkennen und sich einzugestehen, dass ich weder chaotisch noch eine begabte Handwerkerin bin (letzteres finde ich ein wenig schade), hat gedauert. Aber ich habe dadurch auch erkannt, warum ich bei meiner Familie zu Hause oft so müde bin. Chaos überfordert mich. Eine vollgeräumte Wohnung macht mich „unrund“ (eines meiner Lieblingswörter). Viel Lärm, wie z.B. mehrere Personen die sich laut unterhalten und ein Fernseher oder Radio der im Hintergrund plärrt, stresst mich. Mit diesem Wissen gehe ich jetzt ganz anders mit diesen Situationen um. Ich bereite mich geistig darauf vor und freue mich schon wieder auf meinen Ort der Ordnung und Stille zu Hause. Damit kann ich es auch genießen, denn manchmal ist ein wenig Chaos ja auch sehr bereichernd und… man weiß nie welche Schätze man findet...

nun zu dir...

Für du Jetzt bist du dran: 

 

  1. Was macht dir Freude?
  2. Was tust du für dich?
  3. Welche Muster sind in dir abgespeichert, die dir gar nicht entsprechen?

 

Wenn du dir diese Fragen beantwortest, wirst du weniger Stress empfinden und lernen gut für dich zu sorgen!

 

Für den Fall, dass du Unterstützung beim Finden der Freude und Aufdecken der Muster haben möchtest – ich bin sehr gerne die Detektivin an deiner Seite! Vereinbare ein kostenloses Erstgespräch und lass uns schauen ob die Chemie stimmt.

 

Ich freue mich über deine Meinung zu diesem Artikel!

Welche Mikro-Momente der Freude empfindest du?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0